Hinter dem ersten überwältigenden Eindruck der belebten Gassen verbirgt sich ein anderes, ruhigeres Leben, das dem Rhythmus der wirklichen Bewohner folgt. Es zu entdecken erfordert nur, langsamer zu werden und genau hinzusehen.
Der Rhythmus des Alltags
Statt Alltägliches an touristischen Souk-Ständen zu kaufen, gehen Einheimische zum Hanout im Viertel, einem kleinen Eckladen, in dem man ihren Namen kennt und die Preise fest sind, nicht verhandelt werden. Auch Brot wird meist nicht fertig gekauft: Jede Familie bereitet ihren Teig zu Hause zu und trägt ihn zum Ferrane, dem gemeinschaftlichen Nachbarschaftsofen, zum Backen. Das ist eine der urtypischsten Traditionen Marrakeschs, und wer diesem morgendlichen Ritual zusieht, versteht das Leben im Derb besser als durch jeden Reiseführer.
Auch Höflichkeit zählt. Ein einfaches „salam alaykum" beim Betreten eines Ladens oder „choukrane" als Dankeschön verändert sofort, wie Händler und Nachbarn einen behandeln. Der Tag selbst folgt einem uralten Rhythmus: Die fünf Gebetsrufe gliedern die Stunden, schließen manche Geschäfte kurzzeitig und erinnern daran, dass die Medina ihr eigenes Tempo hat, ganz unabhängig von touristischen Zeitplänen.
Sich ins Viertel einfügen
Zum Waschen und Entspannen bevorzugen Einheimische das Hammam im Viertel gegenüber dem Touristen-Spa: einfacher, günstiger und vor allem ein echter Ort der Gemeinschaft. Ebenso setzt man sich eher in ein kleines lokales Café bei einem Glas Minztee als auf die Dachterrasse eines Restaurants mit Aussicht. Ein Großteil dieses Eintauchens liegt in wenigen einfachen Gewohnheiten: bescheidene Kleidung, ein langsameres Tempo und ein aufrichtiges salam alaykum als Gruß.
Der Aufenthalt in einem Riad, das in einem Wohnderb versteckt liegt, verändert diese Erfahrung grundlegend. Im Riad Dar Kawkawa in Hay Laksour, nur drei Gehminuten vom Jemaa el-Fna entfernt, finden sich Gäste ganz natürlich in dieses Geflecht des alltäglichen lokalen Lebens eingewoben, fernab der Anonymität eines großen Hotels. Hier begegnet man jeden Morgen denselben Nachbarn, hört den Gebetsruf vom eigenen Zimmer aus, und die authentische Medina beginnt direkt vor der Haustür.